>Buchempfehlung – Bernd Oesterreich und Claudia Schröder

Buchempfehlung – Bernd Oesterreich und Claudia Schröder

„Das kollegial geführte Unternehmen – Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen“

Die Frage, wie Unternehmensorganisationen in Zukunft aussehen werden, beschäftigt immer mehr Köpfe. Es wird heiß diskutiert und die praktische Umsetzung der sich anbahnenden Veränderungen rückt zunehmend in den Fokus. So hat bereits Frederic Laloux auf diesem Gebiet geforscht und beschreibt in dem Bestseller „Reinventing Organizations“ seine Beobachtungen.

Bernd Oesterreich und Claudia Schröder leisten mit ihrem Werk „Das kollegial geführte Unternehmen – Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen“ einen ebenfalls wichtigen Beitrag in der aktuellen Diskussion. Den Autoren ist ein Buch gelungen, das ganz aus der Praxis kommt. Und darin liegt die Stärke dieser Lektüre. Schröder und Oesterreich erläutern u. a. sehr übersichtlich klare „Kernprinzipien“ kollegial geführter Organisationen und stellen gleichzeitig einfach anzuwendende, praktisch bewährte Werkzeuge und nötige Fertigkeiten vor, wie diese Prinzipien gelebt werden können. So erläutern die Autoren nicht nur das Grundprinzip „völliger Eigenverantwortung, Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit im eigenen Zuständigkeitsbereich“, sondern beschreiben auch ausreichend detailliert Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse, die die Grundprinzipien erst ermöglichen.

Als Beispiel sei hier die sogenannte „Einwandintegration“ genannt – ein direktes Entscheidungsverfahren. So werden die Teilnehmer einer Entscheidungsfindung angehalten sich nicht für oder gegen eine Entscheidung auszusprechen, sondern der Frage nachzugehen, ob wichtige Einwände bestehen. Dies führt i. A. zu einer hohen Integration von Minderheitsbedürfnissen und einer höheren Qualität der Lösung – da jeder, der einen Einwand äußert, aufgefordert wird, an seiner Auflösung mitzuwirken. Alle Entscheidungsvorschläge, gegen die es kein „Veto“ oder einen schwerwiegenden Einwand gibt, stehen dann zur Auswahl. Es geht also nicht um die Zustimmung aller (wie bei einem klassischen Konsens), sondern um die Erhöhung der Akzeptanz einer Entscheidung (Konsent). Die Autoren stellen dabei auch die aus ihrer Sicht notwendigen Voraussetzungen und Grenzen des Verfahrens dar. So sollte eine Gruppe maximal 15 Teilnehmer haben, die in der Mehrzahl sowohl kompetent als auch an der Frage interessiert sind. Das Buch beinhaltet eine Fülle an Beispielen, Theorien und praktischen Modellen. Dabei sind Erläuterungen knapp und pointiert, und gleichzeitig bestens verständlich formuliert und mit Abbildungen und Vorlagen unterfüttert. Darüber hinaus sind sie mit einem geschickten Hinweissystem zu Querverweisen im Buch oder weiterführender Literatur verbunden. Viele Modelle stehen auch als Download zur Verfügung.

Aus meiner Sicht ist dieses sehr dichte und vor allem praxisbezogene Buch für diejenigen zu empfehlen, die sich mit der Organisations- und Unternehmensentwicklung theoretisch und auch praktisch auseinandersetzten wollen.

Viel Spaß beim Lesen – gerne mit einem kurzen Feedback an uns, wie Ihnen das Buch gefallen hat und welche Ansätze Sie für Ihre Praxis gewinnen konnten.

Ihre Sonja Kalusche

2018-02-18T20:05:20+00:0015.08.2017|
Kalusche Consulting