>Experteninterview mit Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Experteninterview mit Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Wie wird man glücklich?

Positive Gefühle helfen, Probleme besser zu lösen. Dass glücklichere Mitarbeiter auch ihrer Arbeit motivierter nachgehen, lässt sich nachvollziehen. Dasselbe Phänomen ist ja auch aus dem privaten Bereich bekannt: Wenn jemand glücklich ist, dann geht ihm alles schneller und einfacher von der Hand. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter also beim Entwickeln dieser Gefühle, durch die innere Motivation entsteht, unterstützen.

Glück empfindet jeder Mensch anders. Wie schafft es da ein Unternehmer, seine komplette Belegschaft, also alle Mitarbeiter, glücklich zu machen?

Die interdisziplinäre Glücksforschung beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit der Frage, wovon Glück abhängt. Dies ist zentral, da Menschen letztlich nach einem glücklichen Leben streben. Dabei geht es nicht um Zufalls-Glück (Lottogewinn), sondern um das Wohlfühl-Glück, also um das subjektive Wohlbefinden. Hier kommt es einerseits auf das Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt an – man sollte deutlich mehr positive als negative Gefühle haben (Anhaltspunkt: mindestens 3:1) – und zum anderen auf die Zufriedenheit mit dem Leben. Und hier müssen Unternehmen ansetzen.

Was ist im Unternehmen Glück/Zufriedenheit stiftend?

Im Unternehmen kommt es entscheidend auf das Verhalten des unmittelbaren Vorgesetzten an – es geht um einen ethischen Führungsstil und soziale Kompetenz. Wichtig ist auch die Art der Arbeitsplatzgestaltung (z. B. Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung des Arbeitsablaufs durch die Mitarbeiter, Sinnhaftigkeit der Arbeit …) und eine lebbare Work-Life-Balance.

Wann hat ein Umdenken weg vom „Leistungsdenken“ hin zur „Mitarbeiterzufriedenheit“ stattgefunden?

Wir wissen, dass zufriedene, glückliche Mitarbeiter auch produktiver, kreativer und loyaler sind. Mitarbeiterzufriedenheit ist sozusagen die Voraussetzung für gute Leistung. Diese Erkenntnisse haben sich in den letzten Jahren – gestützt durch zahlreiche empirische Untersuchungen in der Managementlehre – mehr und mehr durchgesetzt. Lange Zeit (beginnend in den 80ern) dachte man hingegen, es käme nur auf Geld an, man folgte einer verhängnisvollen Fixierung auf den Shareholder Value. Ob ein Mitarbeiter zufrieden/glücklich mit seinem Job ist, hängt – bei fairer Bezahlung – aber weniger vom Gehalt, sondern hauptsächlich von den oben dargelegten Faktoren ab. Gallup weist im Rahmen seines Engagement Index immer wieder darauf hin.

Kann man Glück trainieren? Was bedeutet das für die Personalabteilungen der Unternehmen?

Zunächst muss man die passenden Voraussetzungen schaffen, die ich oben bereits erläutert habe. Dann bzw. begleitend sollte man an Einstellungen bzw. Denkweisen arbeiten.

Können unglückliche/unzufriedene Führungskräfte zufriedene, motivierte Mitarbeiter hervorbringen?

Nein, auf keinen Fall.

Wenn Sie ein Curriculum für Führungskräfte entwickeln dürften, welche Inhalte müssten darin dringend vorkommen?

Auf alle Fälle die Themen Ethik, soziale Kompetenz und Positive Leadership. Ich bin auch überzeugt, dass man durch individuelles Coaching seine Denkhaltung verändern kann und man so auch wieder glücklicher bzw. zufriedener wird.

Gibt es „glückliche“ Unternehmen?

Es gibt Unternehmen, die hier schon viel erreicht haben, wie zum Beispiel die Hotelkette Upstalsboom. Hierzu gibt es auch ein ganz gutes Video.

Wie und warum sind Sie „Glücksforscher“ geworden?

2005 habe ich das Buch „Die glückliche Gesellschaft“ des britischen Ökonomen Sir Richard Layard gelesen. Danach hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Damals war es aber ein absolutes Nischenthema in der Volkswirtschaftslehre, was man heute nicht mehr sagen kann. 2015 hat es sogar einen Nobelpreis in den Wirtschaftswissenschaften für Arbeiten auf dem Feld der Glücksforschung gegeben. Und dies leuchtet auch ein. In den Wirtschaftswissenschaften geht es um die Frage, wie man die knappen Mittel so verwendet, dass man die angestrebten Ziele am besten erreicht. Letztlich ist unsere Zeit unser knappes Gut und ein glückliches, zufriedenes, gelingendes Leben unser Ziel. Übrigens: Layard ist heute Mit-Herausgeber des (UN-)World Happiness Reports, der jährlich im März erscheint.

Welche Frage ist aus Ihrer Sicht am wichtigsten?

Was kann ich tun, womit kann ich anfangen, um glücklich(er) zu werden? – Wir wissen nämlich, dass glückliche/zufriedene Menschen gesünder sind und eine fünf bis zehn Jahre höhere Lebenserwartung haben. Das ist viel mehr als ein Sechser im Lotto.

Vielen Dank, Herr Professor Ruckriegel, für die interessanten Einblicke in die Glückforschung.

Zur Person: Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel
Professor für Makroökonomie, insbesondere Geld- und Währungspolitik, Psychologische Ökonomie und interdisziplinäre Glücksforschung an der Fakultät Betriebswirtschaft der Technischen Hochschule in Nürnberg. Er hat unzählige Aufsätze und Beiträge zum Thema Glücksforschung/Wirtschaftspolitik geschrieben, die in Rundfunk, Presse und Fernsehen veröffentlicht wurden. Ende September 2017 ist ein Interview mit ihm zur Glücksforschung auf ARD Alpha gesendet worden. Auf nordbayern.de findet sich eine Reihe von Videoclips mit Glückstipps, die er zusammen mit den Nürnberger Nachrichten produziert hat.

Lebensmotto: „Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.“ (Epikur)

2018-06-12T20:51:15+00:00 12.06.2018|
Kalusche Consulting